Gender Mainstreaming am BK Herne
Gender Mainstreaming - Begriffserklärung
Im Unterschied zum biologischen Geschlecht, welches nach körperlichen Merkmalen bestimmt wird, bezeichnet der englischen Begriff "gender" das so genannte soziale Geschlecht, das gekennzeichnet ist durch die Rollen, die Frauen oder Männern durch die Gesellschaft jeweils zugeschrieben werden. Der Begriff „mainstreaming“ charakterisiert das Verfahren zur Einbeziehung der Geschlechterperspektiven in alle Entscheidungen .
Zusammengefasst ist Gender Mainstreaming also eine "politische Strategie zur Durchsetzung der Gleichstellung aller Geschlechter": Bei allen gesellschaftlichen Vorhaben sollen die verschiedenen Bedürfnisse, Lebenslagen und Interessen von Männern und Frauen systematisch, d. h. von vornherein und regelmäßig, berücksichtigen werden, da die Wirklichkeit nie geschlechtsneutral ist. Gender Mainstreaming soll dazu beitragen, dass mittelbare und unmittelbare Diskriminierungen gar nicht erst entstehen können. Ein wesentliches Entscheidungskriterium für die Qualität und Eignung einer Maßnahme bildet somit die Berücksichtung der Geschlechterperspektive. Ergibt es bei Betrachtung der Geschlechterperspektive jedoch die Erkenntnis, dass geschlechtsspezifische Benachteiligungen zu Lasten eines Geschlechts abzubauen sind, dann ist auch eine gezielte Frauen- oder Männerförderung notwendig.
(Quellen: www.mgffi.nrw.de/frauen/gender-mainstreaming/index.php und www.gender-mainstreaming.net/)
Rechtliche Grundlage des Gender Mainstreaming
Die Bedeutung des Gender Mainstreamings wird auch bei Betrachtung der rechtlichen Grundlagen deutlich: Vom EU-Recht, über Bundes- und Landesrecht (Schulrecht) ist die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter rechtlicht fixiert:
- Auf EU-Ebene haben sie die Mitgliedsstaaten in Art. 2 und Art. 3 Absatz 2 des Amsterdamer-Vertrages zu einer aktiven Gleichstellungspolitik im Sinne des Gender Mainstreaming bekannt:
Art. 2: "Aufgabe der Gemeinschaft ist es, (...) in der ganzen Gemeinschaft (...) die Gleichstellung von Männern und Frauen (...) zu fördern."
Art. 3: "Bei allen (...) Tätigkeiten wirkt die Gemeinschaft darauf hin, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern." - In Art. 3 des Grundgesetzes ist bestimmt, dass "niemand wegen seines Geschlechts (...) benachteiligt oder bevorzugt werden" darf.
- Für das Land Nordrhein-Westfalen wurde u. a. im § 2 (5) des Schulgesetzes fixiert, dass Schule "den Grundsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter" achtet und "auf die Beseitigung bestehender Nachteile" hinweist.
Vorteile und Effekte des Gender Mainstreaming
Gleichstellung...
- und das Recht auf gleiche Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen sind grundlegende Menschenrechte.
- vergrößert die Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, die zu annähernd gleichen Teilen aus Frauen und Männern besteht.
- bedeutet die volle Verwirklichung von Demokratie.
- führt zu einer anderen, ausgewogeneren Politik und gesellschaftlichen Entwicklung.
- von Frauen mit ihrer Arbeit, Kreativität und Entscheidungsmacht sind für die Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft unverzichtbar.
- bedeutet in vielfacher Hinsicht eine höhere Lebensqualität und mehr Entscheidungsfreiheit für die eigene Lebensgestaltung und zeigt für nachfolgende Generationen neue Lebensperspektiven auf.
Warum Gender Mainstreaming?
- Durch die Ausrichtung an den Lebensrealitäten beider Geschlechter wird die Wirksamkeit von politischen und verwaltungstechnischen Maßnahmen erhöht.
- Der Abbau von Diskriminierung vermeidet Kosten, weil weniger nachträgliche Korrekturmaßnahmen nötig sind.
- Die Innovationspotentiale beider Geschlechter werden angesprochen und aktiviert.
- Dadurch steht eine größere Gruppe von qualifiziertem Personal zur Verfügung.
- Die Qualität von Dienstleistungen wird durch geschlechterspezifische Pass- und Zielgenauigkeit erhöht.
- Das Image von Politik und Verwaltung wird verbessert.
- Die Beschäftigten sind zufriedener und stärker motiviert.
- Starre und unproduktive Arbeitsstrukturen und -kulturen können durch Aufhebung von Geschlechtermonokulturen und durch die gleichmäßige Repräsentanz von Frauen und Männern schneller und besser überwunden werden."
(Quelle: http://www.gender-mainstreaming.net/bmfsfj/generator/gm/Hintergrund/vorteile-und-effekte.html)
Gender Mainstreaming an unserem Berufskolleg
Auch unser Berufskolleg setzt die Forderungen des Gender Mainstreaming um. Ziel unserer Bemühungen im Hinblick auf unsere SchülerInnen ist es, jede einzelne Schülerin/jeder einzelnen Schüler individuell so zu fördern, dass sie/er nicht auf tradionelle Rollen beschränkt wird und bestmögliche Voraussetzungen für ihren/seinen persönlichen und beruflichen Werdegang erhält. Für diese individuelle Förderung sind wir mit dem Gütesiegel "Individuelle Förderung" ausgezeichnet worden. Im Folgenden werden einige Aspekte aufgezählt:
- umfassende Schuleingangs- und Schullaufbahnberatungen
- Schulentwicklungsgespräche
- Lese-/Sprachförderung
- Berufswahlorientierung
- Kooperation mit außerschulischen Partnern
- Gesundheitsförderung
- Förderunterricht
- Nachhilfeunterricht
- Selbstlernzentrum
- ECDL-Führerschein
- Reflexionsraum
- Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage
- Europa-Sprechstunde
- ...
Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen an unserer Schule ist Liselotte Hoefs.